Mein Besuch im Megapark Mallorca
Autor: P. Isler
Vielleicht ist nun diese Kritik nach all den anderen überflüssig, doch ich fand nach meinem Ballermann-Trip des vergangenen Jahres, dass ich trotzdem gerne meine Meinung hinzu bringen möchte. Es war meine sechste Reise nach El Arenal und zu Beginn mochte ich den MegaPark sehr, aber zunehmend schien sich dieser Komplex zum Schlechten zu verändern.
Vor drei Jahren noch war ich oft zu Gast in diesem riesen Freiluft-Biergarten, aber je länger und je öfter ich nach Malle reise, desto mehr fallen mir die Schwachpunkte im MegaPark auf. Als da wären der eklige Geruch zusammengesetzt aus Bier und billigem Reinigungsmittel, der einem gleich beim Eintreten entgegen weht, hinzu kommen die Unmengen an ausgeleertem San Miguel, das sich über den Boden und all die Tische ergossen hat, sodass es dem ganzen einen sehr klebrigen Unterton verleiht. Da stehe ich lieber auf die Stühle, als dass ich darauf sitze!
Das Bier angesprochen, muss man sagen, dass ich für den selben Preis gehalt- und geschmackvolleres bei der Konkurrenz im Bierkönig kriegen würde. Diese sind nämlich in der Lage, auch wenn täglich Hektoliter an Bier ausgeschenkt werden, die Qualität höher zu halten. Nach und nach gehen einem dann auch von Besuch zu Besuch im Megapark die „Jetzt geht’s los!“- und „Auf die Stühle!“-Schreie des DJ’s mit einem Repertoire von etwa 27 verschiedenen Songs ziemlich auf die Nüsse.
Nicht zu vergessen das Umstellen auf elektronische Musik Anfang 2014. Wenn ich solche Lieder hören will, fahr ich nach Ibiza oder Lloret de Mar, aber nicht an den Ballermann.
Auch die Gogo-Girls im Megapark, welche auf den Tischen tanzen, scheinen eine schwere Zeit zu durchleben. Nicht nur, weil sie vom schlicht nur männlichen Publikum mit Durchschnittsalter 19 unaufhörlich angestarrt und ziemlich daneben behandelt werden, nein, auch macht es den Eindruck, dass sie für das, was sie leisten, einen ziemlich miesen Lohn bekommen. Dies wiederum spiegelt sich wider in ihren meist ausdruckslosen oder besser gesagt angepissten Grimassen, welche während ihres Auftritts geschnitten werden.
Zu all dem kommt hinzu, dass auch das Service-Personal im MegaPark einen großen Mangel an Freundlichkeit besitzt, der für mich, welcher selbst in der Gastronomie tätig ist und so die Umstände bei Stress und übermäßigen Alkoholkonsum durchaus kennt, trotzdem sehr störend ist. Gibt man ihnen sogar noch Trinkgeld und hofft auf ein dankbares Lächeln, so hat man sich aber gewaltig getäuscht. Geht man einem solchen Job nach, ist es normal von betrunkenen Gästen an gejohlt zu werden. Entweder man kommt damit klar oder geht halt besser in ein mit 3 Gault Millau Punkten ausgezeichnetes Restaurant.
Auch die vor dem MegaPark in der prallen Sonne stehenden Promoter, die sicherlich eine genauso schwere Arbeit haben, gaben mir immer mehr den Anlass dazu den ganzen Komplex zu meiden. Es wäre wohl besser dieses Werbekonzept ganz zu streichen, da ich seit ich nach Malle fliege, auf Grund dieser nur ein Mal in der MegArena zu Gast war, als so weiter Touristen zu vergraulen. Natürlich ist die Disco trotzdem jeden Abend voll, doch nicht mit einem beständig nach Mallorca reisenden Publikum, sondern mit 18 jährigen Party-Kids, die ihre Party-songs nächsten Sommer in Aya Napa hören werden.
Auch auf Jelly-Shots, auf ein drei Euro Party-Foto oder auf Lachgas kann ich gerne verzichten, wenn ich dafür alle fünf Minuten beim Feiern unterbrochen werden muss. Wenn ich so etwas will, hole ich mir das lieber irgendwo an einem Stand oder einer Bar und kriege dort, was ich will. Danach kann ich mich dann wieder in Ruhe meinem Bier widmen.
Nun aber zu dem, was mich im Megapark am meisten aufgeregt hat: Dem ganzen wurde die Krone aufgesetzt, als mich die MegaPark Henna-Tatteuse beim Gang zum gleich wie die ganze Anlage stinkenden, meist verdreckten Klo ansprach und fragte, ob ich bezahlten Sex mit ihr haben wolle. Obwohl ich ziemlich einen sitzen hatte, war ich immer noch im Stande darauf schlussendlich diesen Laden für mich als gestrichen zu betrachten und verbrachte den Rest meiner verbleibenden Zeit (Zum Glück war dies am ersten Tag.) im Bierkönig.
Ich bin keine Person, welche auf House-Musik und Schickimicki-Ausgang steht. Ich liebe den Ballermann, die Schlagermusik, das Besoffen-um-drei-Uhr-nachmittags-Parolen-schreiend-ins-Hotel-Laufen und werde auch weiterhin, sofern El Arenal noch auf diese Art und Weise weiter existiert, sicherlich jedes Jahr Mallorca besuchen, aber bestimmt nicht dieses Lokal. Geht es um ein Weiterbestehen des Ballermanns, so sind solche Lokalitäten Gift für dessen Image. Klar ist der Ballermann 6 kein auf Senioren ausgelegtes Urlaubskonzept. War er auch nie. Aber unseriös und nur gewinnorientierte Unternehmen, wie den MegaPark, verschlechtern den Ruf des Ballermanns hart. Dass es auch anders geht, zeigt der Bierkönig sehr schön.